Kanada 2

da wir nun einen tag “leerlauf” in mcbride hatte, wegen dem regenwetter…. ungelogen 48 stunden dauerregen hatten wir zeit die stadt zu erkunden.

ich hab mit stefan jedes einzelne ladengeschäft der “stadt” ausgiebig erkundet. gab immerhin ca 15 geschäfte. man bekommt schnell kontakt zu den einwohnern. die sagten uns auch, dass es noch nie so einen verregneten sommer gegeben hätte in kanada. die meisten ladengeschäfte waren von aussen unter aller sau. verschimmeltes holz oder aufgeklebte backstein imitat dachpappe die sich langsam löste. dafür haben die sich viel mühe mit der inneneinrichtung gemacht. meist waren es mischungen aus antik (müll) und tante emma läden. man bekommt irgendwie doch alles in dem kleinen ort. noch einen sehr netten radio und haushaltstechniker getroffen, der über sein leid klagte, dass von 3 sägewerke 2 dicht gemacht haben, und nur noch wegwerf elektro artikel gebaut werden.
er fing an mir ein angebot für seinen laden zu machen… ich konnte grad noch ablehnen. meinte ich müsse meine bullet erst nach deutschland bringen.
abends hab ich dann mit stefan kreativ eierkochen vorm motel betrieben. und im liquor shop (alkohol kann man nicht wie bei uns im aldi kaufffen sondern nur in amtlich anerkannten liquor stores) dort gab es sogar deutschen wein, ausnahmslos aus rheinhessen. liebfraumilch natürlich ;) wir entschieden uns für den bigpack canadian beer

am nächsten morgen war der regen nur noch mittelleicht, und (wenige minuten) vor abfahrt erfuhren wir beiläufig, dass die strasse nach prince george letzte nacht weggewaschen wurde. und zwar so, dass sie unpassierbar sei. ich hab zur sicherheit bei der tanke nachgefragt, und dort hat ein feuerwehrmann, der vor ort war mir das bestätigt. umleitung gibts keine. dort oben in canada gibts nur 2 strassen richtung yukon. und die andere wäre ca 800 km umweg gewesen, wenn nicht mehr.
und da wir auch noch rausgefunden hatten, dass das wetter im norden nicht unbedingt besser ist, aber im südden schon, entschlossen wir uns die route 5 nach süden richtung kamloops zu fahren.
und siehe da, nach 2 stunden leichten niesel wurde es sonnig, dann noch richtig warm.
in der gegend nördlich von kamloops muss es vor einiger zeit richtig gebrannt haben. das ganze tal so weit das auge sehen konnte war abgebrannt. alle bäume entweder schwarz oder lagen flach.
da erinnerte ich mich an den ken von toad rock. er war mal firefighter und berichtete wie eine ausgewachsende tanne oder kiefer in 3 sekunden von unten bis zur spitze abfackelt, wenn der wald richtig knackig trocken ist und brennt.

kurz hinter kamloops haben wir einer gestrandeten harley fahrerin geholfen ihren abgefallen schalthebel wieder zu montieren. mit einem improvisiertem 1/4″ inbus.

gezelten haben wir in monte lake an der route 97. traumhafte strasse. landschaft ein mischung aus odenwald und schwarzwald. nur die häuser sind nicht so hübsch wie die deutschen fachwerkhäuser oder höfe. der zeltplatz von monte lake war nett. und kostenlos, da der besitzer es nicht für nötig hielt vorbeizushcauen….
aber viele naturwiesen. wie in sibieren. mit unzählig vielen wilden bunten blumen

da unsere planung nach yukon territory buchstäblich ins wasser gefallen ist und weggewaschen wurde und wir früher oder später richtung osten wollten… war die auswahl an strassen überschaubar. wir sind ja in kanada. wo es tage lange oft keine handy netz gibt.
wir beschlossen dann spontan wieder bei der mary in toad rock vorbeizusehen….
die route 97 und folgend die route 6 empfand ich als die bike tauglichste die wir bisher befahren sind,. sanft hügelig und sehr kurvig, alles im bullet tempo gut ausreizbar und mehr als einmal funkte mein fahrwerk auf der strasse :P

ich hab mit dem stefan noch einen offroad abstecher gemacht. steil und matschig. für die vollbeladenen bikes eher eine tortur. für mich allerdings auch.
abends bei der mary eingefallen, ich hab beim reinfahren meine cowhorn brüllen lassen. kurz darauf kam mary, freute sich total uns zu sehen, und meinte das geräusch kenne sie doch noch.

wir beschlossen 2 nächte zu bleiben. die mz vom moritz hatte arge startschwierigkeiten. vermutlich elektrik. das wollten wir in alle ruhe reparieren, und in die ainsworth hot springs wollte ich auch unbedingt nochmal.
dorthin dummerweise mit badesachen, shirt und sandalen gefahren. jedesmal wenn man an einem creek vorbeifahrt, kommt ein dermassen kalter schwall luft einem entgegen, …. brrrr.

nachts hat eine krähe unser ganzes essen geklaut. von wegen bären tun das. die wirkliche gefahr sind die krähen ;)

noch einen deutschen aus HH mit seiner BMW kennengelernt. er hatte ein paar gute tipps. auch mit der verschiffung aus toronto. da werden wir mal nachfragen, direkt bei saco.de. könnte deutlich günstiger sein.

das problem der mz waren letztendlich nur die kontakte. mit mary und die anderen biker haben wir den abend noch lange geredet und getrunken. dort, in der “open bar” nimmt sich jeder bier wie er mag und schmeisst einen angemessenen betrag in einen topf. mary sagt das erspare arbeit. ;)
mary hat uns noch patches ans bike geklebt. wir haben unsere “ersatz” nummernschilder bei ihr in die bar gehängt. noch einen gutschein geschenkt bekommen für ein dekadentes frühstück im balfour golf club (war wirklich nett)…

leider hat sich stefan entschlossen nicht weiter nach osten zu fahren. zum einen will er ja über mexico nach südamerika, und da ist osten nicht der richtige weg, zudem wollte er wohl nicht mehr soviel zweitakt dunst der mz inhalieren ;) vielleicht war ihm auch das mz tempo bergauf etwas zu langsam. auf der geraden schafft die mz annähernd bullet tempo, was ganz angenehm ist, aber sobald es leicht bergauf geht und noch gegenwind aufkommt haben die 11 ps arg zu schaffen und dann gingen oft nur noch 40 bis 50… was auf strassen bei denen das doppelte erlaubt ist, schon etwas nerven kann mit dem rückstau. und manch pickup fahrer ist dann leicht genervt und würde uns von liebsten von der strasse schubsen, aber bei den bullets trauen die sich das besser nicht ;)
jedenfalls half kein überreden. stefan bleibt noch ein paar tage im toad rock und wird sich dann nach süden kämpfen. der link zu seinem blog ist in der rechten leiste.

nachdem frühstück haben wir uns leider vom stefan verabschiedet. ich werde seine reise verfolgen und hoffe er kommt dort an…. wohin seine reise ihn führt :)

in balfour gibt es die längste kostenlose fähre der welt. geht 35 min. es fing an zu tröpseln. aber auf der anderen see seite war das wetter perfekt. die strasse auch. seltsamerweise aufeinmal viele schöne kleine häuser. jede mit angebauter terasse, eine grösser als die andere. wieder schöne landschaften. dieses mal etwas schroffer. eher wie südfrankreich. mit vielen vielen flüssen.
dann gings tanken. an sich mittlerweile nichts neues. aber der sprit kostete 1.80. sonst waren preise um 1.20 normal….. seltsam.
da ich aber tanken musste hatte ich keine wahl. ich tankte aber nur für 10 dollar. andreas tankte voll. es war ihm völlig unverständlich, dass ich nicht volltankte. ich glaub ihc verdiene zuwenig geld. muss mal nach einer gehaltserhöhung fragen… dringend ;)

ich fragte den tankwart warum das benzin hier so teuer sei. dann kam seine antwort…. ich war mehr als dumbfounded…. er sagte, er hätte eine freie tankstelle und ist selbständig. da das geschäft schlecht lief und er nicht für 5 dollar die stunde arbeiten wolle, müsste er eben den spritpreis erhöhen….
hä??? wie lange soll das denn gut gehen?
mit der einstellung hätte er politiker werden sollen und nicht selbstständig. in der politik kommt man mit sowas durch, nicht in der “freien” marktwirtschaft.
noch verwunderlicher, dass nach 3 km 2 weitere tanken kamen mit preisen unter 1.30.
f**k

die hauptverkehrstrassen in den USA sind für mz einfach nicht geeignet, für bullets nur bedingt. uns fehlen ca 20 kmh. und die kanadier können nicht überholen. da kann die strasse 2 km frei sein und gut überschaubar. sie überholen nicht. glaub die übung gibt es hier nicht in der fahrschule. die fahren stupide brav hinterher. bzw nicht immer brav, aber zumindest hinterher.

jetzt werden wir wieder mehr backroads fahren. ist spannender.

bei sparwood durch ein riesiges kohle abbaugebiet gefahren. die strasse zu verlassen ist verboten, zu gross die einsturzgefahr überall. so zumindest auf den schildern. die gegend muss wohl total unterhöhlt sein.

die landschaftt änderte sich schlagartig nach dem crowsnest pass. von schroffen bergen zu einer hügeligen weiten prärie landschaft. gefällt mir fast besser. mehr weitsicht und überblick.

heute in pincher creek gelandet. stundenland parallel zu einer riesenwolke gefahren. und zeitgleich mit dem regen im motel eingecheckt :) perfektes timing.
nach dem kurzen und heftigem gewitter noch stundenlang wetterleuchten am himmel gesehen.
wollten dort erst in ein super8 motel. aber die wollten 120 doller plus tax. die freundliche rezeptionistin sagte uns aber wo die günstigen motels waren. drauen bin ich dann beim aufsteigen der bullet umgekippt. meine fussheberschwäche hat sich wohl grad bemerkbar gemacht und das bein war nicht wo es sein sollte. aber nix passiert. ausser peinliche blicke aus den hotelfenstern.

kanada ist erstaunlich multi kulti. das motel in pincher wurde zb. von einem waschechtem inder betrieben. er erkannte gleich die bullets. machte fotos und war ganz glücklich. vor allem darüber, dass unsere bullets wie echte indische bullets aussahen. nämlich dreckig und verölt, mit kampfspuren hier und dort. nicht wie die kanadischen bullets, die vermutlich over-cleaned sind wie die meisten harleys.

next day wollten wir in den waterton park. davor noch in ein büffel “park” gefahren. eher unspannend. da lagen irgendwo 10 büffel rum möglichst weit weg von der strasse weil wohl die touris immer nerven.
den waterton park haben wir uns erspart. haben genug berge gesehen in british columbia die letzten tage.
dann gings parallel und nahe an der grenze zur USA richtung westen.
perfekte strassen. gar keine verkehr. vielleicht ein pickup alle viertel stunde. und wunderbar ruhig. kein autobahn grollen oder züge oder orte. wirkt auch alles viel entspannter hier. die 2500 meter hohe bergkette geht nord-sued. und östlich davon ist es leicht hügelig. etwas vom charakter bergstrasse und ried. nur ca 6 mal vergrössert ;)

die hügelig überschaubare landschaft in alberta ist echt nett. wie zwischen porterville und piketberg. oder die hochebene von island. nur in island ist dann alles lavaschwarz, hier grün grasig. rolling hills heisst das wohl.
ca 50 km vor milk river musste ich auf reserve stellen. nicht gut…. glaub mich zu erinnern, dass ich max. 40 km auf reserve fahren kann… und hier unten gibt es zw. den “orten” wirklich nix.
bei einer farm angehalten und zufällig kam grad der farmer vorbei. er sagte die nachtste tanke in milk river wären noch 20 km. aber er hätte sprit. ich soll mal reinfahren.
hab mir ein paar liter roten sprit abgezapft. (vermutlich eingefärbt weil steuerfrei) geld wollte er keins und wünschte uns weiterhin gute reisen. warnte uns aber vor dem schlechten wetter hinter milk river, und den tornados. zeitgleich fielen in cardston (wo wir morgens durchgefahren sind) faustgrosse hagelkörner.
hatten zum glück nur wenig regen abbekommen und beschlossen, ein motel in milk river aufzusuchen, weil unsere route genau in eine schwarze gewwitterwand geführt hätte.

das günstigste der 2 motels in milk river rausgesucht. ich finds ganz schnuckelig. die anderen zu heiss ;) hat immerhin 2 betten, keine klimaanlage, zimmerdusche mit kalten wasser und 2 klos. andreas hat sich mit dem zickigen fenster auseinandergesetzt. kurz vorm rausfallen (das fenster) hat es sich dann dohc ergeben und liess frische luft rein. der laden wird von einer chinesin geführt, die gebrochen english kann. obwohl sie seit 10 jahren hier lebt.
trostloses kaff.

erstaunlicherweise gibt es in kanada (und auch usa) weniger macdoof als in deutschland. zumindest kommt es mir so vor. aber das essen in den anderen “restaurants” ist nicht unbedingt besser. das beste essen hatten wir bisher im golfclub von balfour. und das sogar günstig.
geht doch nix über big-bons mit trocken gummi brot am lagerfeuer mit asche drin.

nächsten morgen gings richtung writing-on-stone park. blauer himmel, perfektes wetter. der wos park besteht aus vielen steinformationen. wie im col de columbine in der nähe von gap. gleiches prinzip. eine wetterfeste steinplatte und darunter lehmige erde. die wird vom regen weggewaschen und es bleibt eine säule stehen mit der platte oben drauf. sah sehr spacig aus. alles was ein schatten hatte war für den indianer ein “lebewesen” hier kamen sie früher her zum tieferen erleben ihrer visionen. gab dort ein sehenswertes besucher center. bin mir sicher die steinformationen sehen im schattenspiel eines lagerfeuers besser aus.

dort noch ein foto einer klapperschlange gemacht, die sich auf dem warmen asphalt aufwärmte. sie war aber nicht so glücklich, als ich zu nah kam. :P

die strassen und landschaft sind mind. genauso schön und gut als die berge in british columbia. mit ist die ruhige weitsicht fast lieber. b.c. ist eher stressig dageben.
könnte mir vorstellen hier ein farmer zu sein, da ich ja nicht in der gegend aufwachsen musste ;)

man sieht hier unheimlich viele rehe und erdmännchen. ich glaube die stehen nur am strassenrand rum um die autos (oder biker) anzugeifern um sich dann zu freuen, dass das auto weiterfäährt und sie sich fühlen als ob sie das auto verjagt hätten. putzige tiere. die haben auch so ein “silly walk” drauf wie bei monty python. vor allem wenn sie über die strasse laufen. immer 2 hüpfer normal, dann einen bei dem sie den kopf hoch heben und etwas höher hüpfen. einige machen das im 3-er hüpfer. sind dann die profis.

sind heute ca 200 km schotter gefahren. am stück. sowas hatten wir noch nicht mal in russland….
die schotterstrasse war von gut befahrbar bis katastrophal. meist letzteres. eine mischung aus grobkies und feinen lockeren kies. der bremst einen abrupt so ab wie die notfall ausfahrten auf autobahnen für lkws mit defekten bremsen. und der grobkies lässt hinterrad und vorderrad in verschiedene richtungen fahren. bin 2 mal fast hingefallen.
danach hatten beide bulles risse und brüche an den gepäckträgern. aber wird noch halten denke ich.
die mz bekommt auch wieder startschwierigkeiten.

wir sind nun im bundesland sasketchewan. in shaunavon. hier sind die schotterstrassen gleich viel besser.
obwohl uns alle biker in bc gesagt haben, die gegend wäre hier flach und langeweilig… ich kann dem gar nicht zustimmen. andi und moritz auch nicht.

in shaunavon können wir wieder mal umsonst zelten. neben einem freibad. wasser war schön warm.
und mein neues mosquiti mittel hilft. ein repellent der klasse DEET 30. beim toad rock hat mich jemand aufgeklärt über mückenspray. es gibt einen DEET wert, ähnlich wie sonnenschutzfaktor für sonnenschutz. und mal solle nur deet 30, besser noch 40 kaufen. alles darunter hilft wenig. und er hatte recht.
hätte ich das mal in sibirien gehabt :o

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