Wladi Wostok angekommen :)

als wir chita vorbeigefahren sind war da ein schild chabarowsk 2200 km. andy meinte, dass ist ungefähr so wenn man beim rausfahren aus frankfurt ein schild sieht “istanbul 2200 km”. so wenig gibt es hier zwischendrin.
für uns sind die entfernungen schon fast unreal geworden. als wir kürzlich gemerkt haben, es sind nur noch 2000 km bis WW kam uns das vor, als ob wir schon da wären und nix mehr schief gehen könnte. dabei ist das ungefähr so weit wie von alsbach nach madrid. und zuhause kommt mir sowas richtig weit vor. hier ist es nur ein paar mal ankicken, tanken und fahren und schon ist es da.

nach chita war die landschaft eine mischung aus super nett und abwechlungsreich, wie auch monoton oder beruhigend, je nach dem wie man es sieht, oder sich gerade fühlt ;)
ab dem autobahnkreuz amur/lena (wo es nach jakutsk und magadan nach norden geht. gejuckt hat es mich ja schon sehr abzubiegen…)wurde die strasse wieder richtig wellig. teils ist mein hintern mehr in der luft als auf dem gefedertem sattel :) macht spass bis dann eine richtig fieses loch kommt und alles an der bullet nur so krächzt.

essen gehen in russland ist nicht so wirklich prickelnd….
vor allem an den rastplätzen neben der strasse. das personal, meist 2-3 frauen wirken sehr gelangweilt und genervt das ein gast kommt. stehen widerwillig auf wenn man reinkommt, dann merken die man spricht noch nicht mal russisch und sie wirken noch desinteressierter…. nach dem motto. wenn ich jetzt in stehen einschlafe, vielleicht gehen die dann wieder.
service wüste russland.
essen gibt es meistens in einweg plastik geschirr billigster art, dazu meist nur eine plastik gabel. bezahlt werden muss natürlich vorher, mit glück bekommt man es sogar gebracht. portionen sind recht klein, was nicht unbedingt schlecht ist, wir deutsche sind ja ohnehin zu grosse portionen gewohnt. als vegetarier hat man die auswahl zw maccaroni, spiegeleier, kartoffelpüree (das zeug hängt uns allen zum hals raus), meist recht gute kleine salate und brot. die nationalsuppe borschtsch ist nicht so mein ding. kotletts sind hier sowas wie frikadellen. das schaschlik schmeckt meist sehr gut.
aber um gerecht zu sein gibt es auch einige bedienungen die wirklich sehr nett und hilfsbereit sind. und ab und an sogar porzellanteller und metalbesteck :)

die russen mögen wirklich ihre flüsse. jedes noch so kleine bächlein hat ein fettes schild an der strasse. selbst wenn es die dazugehörige strasse kaum gibt, bzw vor lauter schlaglöcher nicht sichtbar ist. mittlerweile habe ich schilder gesehen die es einem verbieten am fluss müll zu verklappen, autos zu reparieren (ölwechsel) oder chemiefässer/tanker auszuwaschen. schon ein fortschritt ;)
an 2 flüssen waren sogar schilder “kein trinkwasser” daraus schliesse ich fast, dass alle anderen flüsse trinkbar sind. wundern würde es mich nicht, weil es hier einfach nichts gibt weit und breit was das wasser verschmutzen könnte.

auffällig ist wie wenige russen noch alle zähne haben. sowas bei männer wie auch frauen. goldgebisse sind recht in. wer sich sowas nicht leisten kann hat eben viele zahnlücken. die anzahl der zähne ist proportional zum verdienst/gesellschaftliche stellung. das ist hier wirklich auffällig, wobei das in deutschland auch in ein paar jahren so sein wird wenn sich die med. kosten weiter so entwickeln.

wir verlieren hier ziemlich genau pro tag 15 min da wir ja immer nach osten fahren. so alle 4-5 tage eine zeitzone. würden wir the right way round fahren so hätten wir jeden tag 15 min mehr fahrzeit und kämen damit täglich weiter und würden damit weitere tage gewinnen. wer gegen den strom schwimmt muss nunmal mit solchen nebensächlichkeiten leben ;)

die lkws die hier rumfahren sind schon teileweise in einem recht erbärmlichen zustand. letztlich quamlte/brannte ein tanklaster recht stark. der fahre entfernte sich auffällig schnell… wir fuhren schnell noch vorbei. brennende strassen sind uncool.

die berüchtigte “strasse” zw chita und chabarowsk hat sich sehr geändert. waren dort vor genau 2 jahren noch 80 % schotter so ist das verhältnis heute eher umgekehrt. meist superglatte neue strasse. nächstes jahr wird die strassse durchgehend geteert sein. ob wir uns darüber freuen sollten wussten wir nicht so genau. die meisten schotterstellen liessen sich recht gut fahren. aber teilweise absolute katastrophe. insgesamt sind wir nur etwa 600 km schotter gefahren. so wie alsbach nach hamburg. erwartet hatten wir fast 1000 km mehr.

ab belogorsk stehen immer mehr pilz und honigverkäufer an der strasse. hab einige wohl professionelle pilzsammler gesehen mit einem riesigen “rucksack” aus lochblech, ging ab arsch bis über kopf. mit dem ging er grad los in den wald. und kommt bestimmt nicht zurück bevor der voll ist, wenn ich sehe wieviel dort verkauft wird. meist röhrlinge. oft stehen etliche verkaäufer am strassenrand mit bis zu 20 mal 10 liter eimer aneinandergereit mit leckersten pilzen.

richtig viele ural motorräder und ish 2-takter fahren hier übrigens rum

in chabarowsk haben wir uns mal wieder ein hotel gegönnt. personal wieder mal sehr unfreundlich und genervt (obwohl das zimmer über 50 euro kostet) irgwie gefiel denen unsere papiere nicht, die registrierung war wohl schon zu alt.. keine ahung. ging dann doch irgendwie.
waren dann abends pizza essen. im manhatten. der verkäufer konnte sogar englisch und die pizzas so gross wie in texas. haben unsere mägen gar nicht mehr so richtig geschafft. draussen hat es mittlerweile gekübelt. andreas wollte früher ins hotel zurück. ich bin dann mit moritz noch in eine japanische sushi karaoke cocktail bar und haben efes bier getrunken. die sind echt hart drauf…

hinter chabarowsk hatten wir dann endlich mal riichtig pech mit dem wetter. bisher hatten wir zusammen weniger als 3 stunden regen auf der ganzen fahrt. aber das hat sich heute verdoppelt. nach 3 stunden dauerregen, teils heftig, waren wir alle recht feucht und klamm. andreas wollte eine gastiniza aufsuchen, die es auch zum glück in der nähe gab. geführt von 2 frauen, eine in uniform mit namenschild und blutgruppe aufgedruckt. mit der fangen wir besser keinen streit an dachten wir uns gleich.
in der gastiniza waren auch eine gruppe von landvermessungs-engineers. die konnten recht gut english. waren von unseren bikes total angetan. jeder wollte mal draufsitzen
dann noch abends lange geschwätzt und bier getrunken. die arbeiten meist ein halbes jahr mit ihren trimble gps im outback und vermessen die gegend, sind dann ein halbes jahr zuhause. wer gerne hardcore outdoor aktivität mag, für den ich der job super. die bilder die sie uns gezeigt haben wie die mit panzer, allrad autos, quads etc durch die wildnis preschen waren schon beeindruckend.
dann meinte einer er hätte sogar einen deutschen getroffen, der mit dem radl von WW nach irkutsk fährt. und er wäre sogar scon über 60…. ich kramte schnell durch meine digicam und zeige das bild vom christian. tatschächlich kannten die ihn auch. ist die welt hier klein :)
die landvermesser hatten mobiles internet. da das wetter draussen immer noch sehr nass war, haben wir die vorhersage runtergeladen. die nächsten 2 tage angeblich sonne und warm. war es auch :) ))

die strasse zw chabaroswk und WW teils wieder richtig kaputt. oft festgefahrener matsch übersät mit fussball grossen löchern. wie schaffen die nur sowas?
mittlerweile geht meine kamera nur noch sporadisch. alles voll staub und dreck. so wie der rest von uns.

unsere tachos gehen mittlerweile sehr vor. bei meinem wusste ich dass die angezeigte geschwindigkeit je nach tagesform sehr variert. wenn ich hinter andy fuhr kam mir die geschwindigkeit irgendwie langsamer vor. wenn ich vorfgefahren bin im “gewohnten” tempo ist andy immer zurückgefallen. hab mal das gps ausgepackt und siehe da. unsere geschwindigkeit ist um gut 8 kmh gesunken. andy glaubt das gps zeigt in russland bestimmt falsch an ;) ich besorg mal 2 digitale fahrradtachos :o

die anfahrt in WW rein haben wir uns anders vogestellt. über 20 km stau. nur baustellen. heiss und stickig.
recht schnell vladmoto von den irontigers gefunden.
war aber keiner da. war ja auch sonntag nachmittag. beim michail angerufen, ging aber keiner ran. dann hörten wir hinter der dicken stahltür eine band proben.
in einer pause mal geklopft und tatsächlich ging die tür auf. der bassist konnte etwas englisch, rief bei michail an, dasd wir deutsche sind und ohne uns zu kennen bekamen wir einen schlüssel der kompletten motorradwerkstatt (in dem mind. 60 motorräder stehen, teils neue japanische modelle) und der bassist erklärte uns kurz wo wir auf dem boden schlafen können und die das schloss und klo funktioniert. dann haute er ab und wir waren alleine. :o
stellt euch vor nach deutschland kommen 3 russen auf bikes und der yamaha händler gibt einem sonntags die schlüssel zur werkstatt und sagt fühlt euch wie zuhause, ich kommen morgen mittag mal vorbei….

die irontigers sind hier alle mehr als hilfsbereit. wir können hier umsonst so lange bleiben wie wir wollen sagte michail, alias pirat, president der tigers.
stimmung ist gut, kommt vor dass man aus versehen bier auf den schuh gekippt bekommt, oder man mal einen orig stahlhelm mit SS zeichen anziehen darf…oder jemand mit fettigen fischfingern die landkarte befummelt (das waren die vermessungs-engineers) über sowas muss man halt stehen. die landkarte brauchen wir eh nicht mehr. sind ja da ;)
über der stadt fliegen ständig kampfjets und setzen zur landung an. SU-jets sagte einer. viele der biker hier sind beim militär, oder mal gewesen.

hab mal meinen bremszug getauscht und die vorderradbremse etwas gereinigt. konnte hier frei all sein werkzeug benutzen. (beim abstellen ist die bullet vor ein paar tagen auf schlechtem untergrund gegen einen leitspfosten aus stahl gekippt und hat den bremszug geknickt)

wladiwostok ist eine echt nette stadt mit fiesem dauerstau. schöne strände, netter bautstil, alle frauen laufen mit pfennigabsätzen rum. ne kugel eis bei baskin & robbins kostet 2 euro… ne andere welt hier. man sieht auch fast keine chinesen.

und jetzt die schlechte nachricht:
ludmilla von fesco lines, die die verschiffung übernehmen wollte wiill uns nicht helfen. angeblich versenden die nach usa nur commercial goods. hier wurde uns empfohlen nach korea mit der fähre zu fahren und von dort aus die bikes zu verschiffen. soll in korea einfacher gehen. haben uns schon überlegt mit der transsib und motorräder nach moskau zu fahren und von dort aus nach hause, aber dafür ist die zeit etwas zu knapp…
das land ohne bikes zu verlassen geht nicht weil sie in unsere pässe eingetragen sind.

wenn jemand ne gute idee hat, dann her damit.

bilder folgen …

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2 Responses to Wladi Wostok angekommen :)

  1. werner says:

    Hallo aus Neunkirchen (in Österreich)
    Ich hab vor, nächstes Jahr nach Wladiwostok zu fahren, allerdings im Auto.
    Es handelt sich um einen Lada, den ich extra für diesen Zweck gekauft hab, weil ihn in Russland jeder an jeder Tankstelle reparieren kann.
    Ich würd mich gern bei Euch über den Strassenzustand erkundigen, wär schön, wenn ich eine Telefonnummer hätt, auf der ich mal anrufen könnt.
    Wirkliche Infos sind ja im net kaum zu finden.
    Also, Jungs, lasst was hören.
    Lg Werner

    PS : mit dem Moped fahr ich nicht, das hält meine Guzzi sicher nicht durch. Die Aprilia möglicherweise schon, aber mit der will ich ja noch länger fahren….

  2. Max says:

    Hi!
    sehr nette Seite mit verdammt guten Infos! Respekt und vielen Dank erstmal.
    Jetzt zu meiner Frage, könntet ihr mir Infos zur Übersetzung von Vladiwostok in die USA geben? Das wäre echt Spitze da wir nächstes Jahr dort hinfahren werden.
    Grüße aus dem Badnerland

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